So funktioniert der CBD-Markt in der Schweiz

Immer mehr Hersteller und Händler drängen in den Markt mit legalem Gras. Ein Überblick über die wichtigsten Akteure.

Der CBD-Boom hat längst die Schweiz erreicht. Laufend eröffnen neue Shops, die das legale Gras verkaufen. Die Konsumenten haben es vor allem auf den Wirkstoff Cannabidiol (CBD) abgesehen, der entspannend wirken soll. Der Gehalt des berauschenden THC liegt dagegen unter einem Prozent. Ermöglicht wurde das lukrative Geschäft durch einen Entscheid des Bundesamts für Gesundheit (BAG), das im vergangenen Sommer Cannabiserzeugnisse als Tabakersatzprodukte einstufte.

Die Produzenten

Das Unternehmen Biocan sorgte im vergangenen August für Schlagzeilen, als es den «ersten legalen Joint» auf den Markt brachte. Laut eigenen Angaben hat die Firma allein in den ersten drei Monaten mehrere Zehntausend Tütchen à 10 Gramm mit dem legalen Gras ausgeliefert. 10 Gramm kosten dabei – je nach Produkt – 24 oder 67 Franken. Hersteller müssen Tabakersatzprodukte, worunter Hanf mit einem THC-Gehalt von weniger als 1 Prozent fällt, beim BAG anmelden. Dort sind bisher rund ein Dutzend Dossiers eingegangen. Laut dem BAG haben davon «weniger als eine Handvoll» grünes Licht für den Verkauf erhalten. Einige Gesuche sind noch offen.

Die Händler
Die Zahl der Shops, die legales Gras, CBD-haltige Liquids für E-Zigaretten oder andere CBD-Produkte anbieten, nimmt laufend zu. Viele der Händler haben bereits bisher Hanf- oder Tabakprodukte verkauft und erweitern nun ihr Sortiment. Daneben ist legales Cannabis aber auch in Kaffees oder Bars erhältlich. Ein grosser Teil der CBD-Produkte wird zudem in Online-Shops verkauft. Wie viele Händler es insgesamt gibt, ist unklar. Laut der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) sind zurzeit rund ein Dutzend Firmen registriert, die tabaksteuerpflichtige Produkte in den Handel bringen. Mehr als hundert befänden sich im Registrierungsprozess. «Und täglich kommen weitere dazu», erklärt ein Sprecher der EZV.

Die Konsumenten
An potenziellen Konsumenten von legalem Cannabis mangelt es nicht. Gemäss dem aktuellen Suchtmonitoring des BAG ist Cannabis die am häufigsten konsumierte illegale Droge. Rund 200’000 Personen konsumieren demnach aktuell Cannabis. Insgesamt erklärten gut 30 Prozent der über 15-Jährigen, schon einmal in ihrem Leben Cannabis geraucht zu haben. Da CBD im Gegensatz zu THC keine berauschende Wirkung hat, ist das heute legale Gras nicht für alle Cannabis-Konsumenten interessant. Laut Branchenkennern interessiert sich etwa jeder zehnte Kiffer für CBD-Hanf. Doch nicht nur Kiffer kommen als Konsumenten in Frage. Auch Tinkturen, Salben oder Sprays, die den Wirkstoff enthalten, werden vertrieben.

Der Steuereintreiber
Bei legalen Cannabisprodukten, die zum Rauchen oder Vaporisieren verwendet werden können, wird die Tabaksteuer fällig. Sie beträgt etwa für Cannabisblüten 25 Prozent des Verkaufspreises und muss der Zollverwaltung entrichtet werden. Vielen Händlern und Herstellern war das offenbar nicht bewusst. Ende Februar hat die EZV deshalb in einem Schreiben an die Shops auf den Sachverhalt hingewiesen. Bis Ende April läuft nun eine einmalige nicht erstreckbare Frist für die nachträgliche Deklaration bisher unversteuerter Cannabisprodukte. Wird von einem Marktpotenzial für legales CBD-Hanf von 10 Prozent ausgegangen, würde das Steuereinnahmen von rund 20 Millionen Franken pro Jahr bedeuten.

Die Regulatoren
Je nach Produktkategorie sind verschiedene Stellen des Bundes involviert: neben dem BAG und der EZV auch Swissmedic. Swissmedic ist für die Zulassung von Medikamenten verantwortlich. Die genaue Wirkung von CBD ist bisher wissenschaftlich noch wenig erforscht. Aktuell ist Cannabidiol in der Schweiz nur in einem zugelassenen Medikament enthalten, einem Spray, der Symptome bei Multipler Sklerose lindern soll. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) kommt ins Spiel, wenn es um die Zulassung von mit CBD-angereicherten Lebensmitteln geht. Auch für Kosmetika und CDB-haltige Liquids ist das BLV zuständig.

 

Quelle: 20 min