So raucht sich legales Gras als Nicht-Kifferin – VICE.COM

Vanessa Sadecky von Vice.com war überrascht von der starken Wirkung von CBD-Cannabis.

Seit ein paar Monaten spriessen in Schweizer Städten neue “Hanflädeli” wie das Green Passion in Zürich aus dem Boden, in denen du dir legales Cannabis besorgen kannst. Illegales Gras wie White Widow hat gewöhnlich einen THC-Wert von 20 Prozent. Legales Cannabis hingegen, enthält immer unter einem Prozent THC. Wirkungslos ist es deswegen nicht. Es enthält je nach Sorte um die 15 Prozent Cannabidiol, auch CBD genannt. In illegalem Gras, kommt CBD meist in kleineren Dosen vor, da es die Aufnahme von THC hemmt.  Der Stoff wirkt im Gegensatz zu THC nicht psychoaktiv, sondern wie zahlreiche Studien nachgewiesen haben, schmerzlindernd, beruhigend und soll psychische Krankheiten wie Schizophrenie lindern. Die Kiffer aus meinem Kollegenkreis, die das CBD-Gras schon probiert haben, sind nicht wirklich begeistert davon. Die einen sagen, sie hätten gar nichts oder wenig gespürt, die anderen, ihnen fehlte das High, “die Scheibe”, die sie normalerweise beim Kiffen bekommen. Ich selber kiffe selten, eigentlich fast nie. Vielleicht mache ich als Nicht-Kifferin eine andere Erfahrung mit CBD-Gras? Hilft es mir vielleicht gegen meine innere Unruhe und Einschlafprobleme?

Um das herauszufinden, begebe ich mich in die Berner Altstadt, wo wie in Basel kürzlich eine Filiale der Hanftheke eröffnet hat. Hier findet man von CBD-Tröpfchen bis Hanfmüsli alles, was das Cannabisherz begehrt. Der Laden befindet sich unter einer Chocolaterie und einem Wollfachhandel. Er ist eins der vielen Kellergeschäfte von Bern, die im Mittelalter als Vorratskammern genutzt wurden. Ich steige die Treppe hinunter. Der Shop macht einen sehr sterilen Eindruck. Die Wände und Regale sind weiss und mit Fläschchen und Schraubdeckeldosen befüllt. Das soll wohl an eine Apotheke erinnern. Ein junger Mann im schwarzen Poloshirt begrüsst mich hinter der Kasse. Ich frage ihn nach CBD-Gras und er zieht aus seiner Glastheke drei Sorten hervor. Ich schnüffle an den verschiedenen Blüten und entscheide mich für das Gras mit dem höchsten CBD-Gehalt. Wenn schon denn schon. Es ist kanadisches Gras aus Indoorzucht und biologischem Anbau. Der Preis ist mit dem von THC-Hanf vergleichbar—fünf Gramm kosten 50 Franken.

Vor dem Laden unterhalte ich mich mit anderen Kunden. Student Stephan kifft regelmässig und möchte CBD einfach mal ausprobieren. Familienvater Kurt hat sich ein CBD-Öl gekauft. Er will es zuerst selber testen und dann seinem vom Rheuma geplagten Schwiegervater anbieten. Ich spreche auch noch kurz mit einer älteren Kundin, die am Stock geht. Sie möchte nicht verraten, was sie im Shop gekauft hat. Scheinbar haftet Gras noch immer die Aura des Bösen an, egal ob es illegal ist oder nicht. Das kann man auch in Polizeikontrollen zu spüren bekommen. Polizisten können CBD-Gras beschlagnahmen und testen lassen, da von aussen nicht erkennbar ist, ob es den THC-Grenzwert überschreitet oder nicht.

Zurück in Zürich probiere ich das CBD-Cannabis am Tag darauf mit meinen Bürokollegen aus. Ich nehme den ersten Zug. Es kratzt im Hals, der Rauch riecht nicht ganz so intensiv wie sonst beim Kiffen. Ich rauche beinahe einen ganzen Joint. Mir ist ein bisschen schwindelig. Vielleicht liegt es auch am akuten Sauerstoffmangel, weil ich mich mangels Pafferfähigkeiten aus Versehen komplett eingenebelt habe? Nach etwa 20 Minuten spüre ich eine tiefe Entspannung. Am liebsten würde ich jetzt schlafen gehen oder mich in Bilder vertiefen. Obwohl ich nur ein bisschen auf dem Laptop tippe, erlebe ich einen Flow, das angenehme Gefühl, von dem Psychologen reden, wenn man sich einem Schaffensrausch hingibt und völlig in einer Tätigkeit aufgeht. Mich überrascht die starke Wirkung. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich das Gras am Ende eines langen Arbeitstags geraucht habe. Da fährt mir normalerweise auch das Feierabendbier besonders ein.

Ich bin zum Essen verabredet. Hunger habe ich aber plötzlich keinen mehr. Das könnte an der appetithemmenden Wirkung des CBDs liegen. Im Vergleich zum Kiffen mit THC spüre ich kein Herzrasen wie sonst manchmal und ich verliere auch nicht meine Fähigkeit, gerade Sätze zu bilden. Die Wirkung hält bis später am Abend an, ich kann problemlos einschlafen und fühle mich sehr zufrieden.

Für mich hat sich der Kauf des legalen Cannabis gelohnt. Insgesamt habe ich mich ein bisschen wie nach einer Yogastunde gefühlt. Ich werde das CBD noch weiter testen, mir scheint es beim Einschlafen und meiner inneren Unruhe zu helfen. Ich würde CBD-Produkte aber eher online kaufen, da die Verkäufer in den Läden momentan aus gesetzlichen Gründen keine genaue Auskunft darüber geben könne, bei welcher Beschwerde, welches Produkt am besten hilft.

Quelle: vice.com